Jeder Wandel braucht seine Zeit und es dauert manchmal länger als uns lieb ist, bis Veränderungen spürbar sind und ihre Kraft entfalten. So ist es schon 100 Jahre her, dass in Deutschland das Frauenwahlrecht verabschiedet wurde. Doch wirkliche Veränderung in den Köpfen unserer Gesellschaft geschieht nur langsam.

So wächst seit Jahren in Deutschland die „neue Generation“ wie selbstverständlich mit einer Frau als Kanzlerin an der Spitze der Regierung auf. Dass dieser Umstand jedoch nicht selbstverständlich ist, zeigt der Blick in andere Länder: Während Regierungsführung immer noch Männersache ist, schaffen sich Frauen weltweit Gehör und zeigen, dass sie nicht mehr gewillt sind Diskriminierung hinzunehmen. Die #MeToo-Bewegung des letzten Jahres hat zur offenen Diskussion um Machtstrukturen und sexuelle Belästigung im Arbeitsleben geführt und zu einem erstarkenden Bewusstsein dieses Tabu-Themas. Frauen in den USA, die sich zunehmend in politischen Ämtern engagieren, bieten Trump die Stirn. Der Einfluss der Frauen wird größer und so scheinen insbesondere sie es zu sein, die bei den Midterm Elections die Wahl entscheiden könnten. Begegnung auf Augenhöhe findet statt. Macht und Führung werden offen neu gedacht.

Und was hat das mit Mediation zu tun?

Uns scheint, dass die oftmals polemische und „post-faktische“ Sprache eine Rückbesinnung auf Werte provoziert. Wertschätzung der eigenen Art, des eigenen Sinns, der jeweiligen Sichtweisen, Transparenz und offene Klarheit werden regelrecht eingefordert. Vielfalt in unserer Gesellschaft zu leben erfordert einen offenen, kooperativen Diskurs und die Einbindung aller Beteiligten. Wie in der Mediation geht es dabei um Selbstverantwortung, Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten und Bestärkung jedes Einzelnen, um eine neue Kraft für die Gesamtheit zu entfalten. So kann ein Raum für gute Lösungen eröffnet werden, die allen dient. Die Verantwortung die Möglichkeiten zu nutzen und sich einzubringen liegt bei jedem und jeder Einzelnen. Die Frauen in den USA wurden nicht zuletzt durch die frauenfeindliche Sprache und die Diskriminierung von Minderheiten provoziert. Doch anstatt auf diesem Niveau zu reagieren, nutzen sie die Chance und nehmen sich den Raum sich klar zu positionieren. Frau Merkel hat mit ihrem stilvollen Rücktritt vom Parteivorsitz Verantwortung übernommen und damit einen Weg gewählt der, nach eigenen Aussagen, ein „Wagnis“ darstellt. Vielleicht kann man auch im politischen Umfeld von einem langsamen Wandel, neuen Führungsstilen und einem veränderten Verständnis von Macht sprechen – Was bei einigen Herren noch nicht ganz angekommen zu sein scheint.